Zwölf Kanäle für neue Aufträge, das rät ein Ratgeber nach dem anderen: Social Media, Google Ads, Printwerbung, Netzwerke, Weiterbildungszertifikate. Du hast nach Feierabend vielleicht eine Stunde für dein Marketing. Die gute Nachricht: Für die meisten Solo-Handwerksbetriebe tragen zwei Kanäle den Großteil der neuen Aufträge, der Rest ist in dieser Phase Zeitverschwendung.
Das Wichtigste in Kürze
- Zielgruppe: Dieser Beitrag richtet sich an Solo-Handwerker und Ein-Mann-/Zwei-Personen-Betriebe, nicht an Betriebe mit größerer Mitarbeiterstruktur.
- Kanal 1: Empfehlungen und Mundpropaganda bringen rund zwei Drittel der Kunden und lassen sich aktiv systematisieren.
- Kanal 2: Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil erreicht Kundinnen und Kunden dort, wo sie vor dem Anruf zuerst suchen.
- Kosten: Beide Prioritätskanäle kosten vor allem Zeit, während Google Ads schnell mehrere Hundert Euro im Monat verlangt.
- Rest: Social Media, Printwerbung und Ads dürfen bewusst warten, bis die zwei Prioritätskanäle laufen.
Kunden gewinnen im Handwerk: für wen dieser Beitrag gilt
Dieser Beitrag richtet sich an Solo-Handwerker und Ein-Mann-/Zwei-Personen-Betriebe, die neue Aufträge gewinnen wollen, ohne Zeit oder Budget für zwölf parallele Kanäle zu haben.
Wer mehrere Gesellen beschäftigt oder eine eigene Marketing-Abteilung hat, arbeitet mit anderen Mitteln. Für diesen Fall ist der Beitrag hier nicht geschrieben. Für alle anderen gilt dasselbe Prinzip wie im allgemeinen Beitrag Erste Kunden gewinnen: radikale Priorisierung auf wenige Kanäle. Wer bei der eigenen Einordnung noch ganz am Anfang steht, findet Orientierung im 4-Stufen-Modell für Sichtbarkeit ohne Budget.
Für Handwerksbetriebe heißt diese Priorisierung konkret: zwei Kanäle zuerst, alles andere später.
Warum Empfehlungen im Handwerk der stärkste Kanal bleiben
Empfehlungen und Mundpropaganda bringen Handwerksbetrieben nach Branchenschätzungen einen großen Teil neuer Aufträge, mehr als jeder digitale Kanal.
Rund zwei Drittel der Kunden wählen ihren Handwerksbetrieb über eine Empfehlung: 43,1 Prozent auf Empfehlung von Freunden und Bekannten, weitere 21,8 Prozent über bestehende Kunden [1]. Die oft zitierte Zahl von „70 Prozent“ ist eine Aufrundung dieser beiden Werte; die Größenordnung stimmt, die krumme Zahl ist die ehrlichere. Sie zeigt, warum dieser Kanal die höchste Priorität verdient. Trotzdem überlassen viele Betriebe diesen Kanal dem Zufall, ohne ihn aktiv zu pflegen.
- Nach Projektabschluss aktiv fragen: direkt und persönlich um eine kurze Bewertung oder Weiterempfehlung bitten.
- Kleines Dankeschön einplanen: ein Rabatt oder eine kleine Geste für Kundinnen, die einen neuen Auftrag vermitteln.
- Bestehende Kontakte reaktivieren: frühere Kunden gezielt fragen, ob sie jemanden im Umfeld kennen, der aktuell einen Handwerker sucht.
Wer diese drei Schritte konsequent einbaut, verschenkt seinen eigenen stärksten Kanal nicht mehr an den Zufall.

Das Google-Unternehmensprofil: dein zweiter Prioritätskanal
Nach Empfehlungen ist das Google-Unternehmensprofil der zweite Kanal, der bei begrenzter Zeit spürbar wirkt, weil Kundinnen und Kunden vor dem Anruf überwiegend zuerst googeln.
Entscheidend ist der Moment vor dem Anruf: Interessenten suchen deinen Betriebsnamen, deinen Ort und deine Bewertungen. Finden sie dabei eine falsche Telefonnummer, veraltete Öffnungszeiten oder gar keinen eindeutigen Eintrag, endet die Vorauswahl oft, bevor du von ihr erfährst.
Der erste Schritt kostet dich fünf Minuten und ist nicht das Anlegen: Such deinen Betriebsnamen zusammen mit deinem Ort bei Google. Viele Handwerksbetriebe finden dabei einen Eintrag, den sie nie selbst angelegt haben — Google führt solche unbestätigten Profile, und sie zeigen nicht selten eine alte Nummer oder falsche Öffnungszeiten. Findest du einen, beanspruchst du ihn, statt einen zweiten anzulegen. Findest du keinen, legst du ihn neu an. Beide Wege stehen Schritt für Schritt im Beitrag Google Unternehmensprofil erstellen.
Danach kostet ein aktuelles Profil mit echten Fotos abgeschlossener Arbeiten und aktiv eingesammelten Bewertungen vor allem Zeit. Ein Werbebudget braucht es dafür kaum.

Was ein Kanal kostet: Zeit und Geld im Vergleich
Die beiden Prioritätskanäle kosten überwiegend Zeit, während Kanäle wie Google Ads schnell einen Budget-Bedarf von mehreren Hundert Euro im Monat erreichen.
| Kanal | Zeitaufwand | Kosten | Priorität |
|---|---|---|---|
Empfehlungen aktiv einsammeln | gering, nach jedem Auftrag | keine bis kleines Dankeschön | 1 |
Google-Unternehmensprofil pflegen | mittel, einmalig plus laufend | 0 € an Google | 2 |
Google Ads | gering laufend, hoch bei Einrichtung | laut Branchenschätzung 200–1.000 €/Monat [2] | später |
Social Media, Printwerbung, Netzwerke | hoch, dauerhaft | variabel, meist zusätzlich | später |
Ein Google-Ads-Budget in dieser Größenordnung übersteigt für die meisten Solo-Handwerksbetriebe das gesamte Jahresbudget für Marketing bei Weitem. Für Website, E-Mail oder kleine Hilfsmittel kannst du separat bis zu 10 bis 20 Euro im Monat vorsehen. Hast du diese Basis bereits, pflegst du Empfehlungen und Profil ohne laufende Werbeausgaben.
KundenStart Selbstcheck
Erst wissen, wo du stehst, dann die nächsten Schritte planen
Der Selbstcheck „Wo stehst du?“ ordnet dich in wenigen Fragen einer der vier Sichtbarkeits-Stufen zu, bevor du Zeit oder Geld in einen weiteren Kanal steckst.
Selbstcheck starten
Realitätscheck: was auch die beiden Prioritätskanäle nicht ersetzen
Empfehlungen und ein gutes Google-Profil verstärken, was Kunden bereits erleben. Dafür braucht es erreichbare Kontaktdaten, zügige Antworten auf Anfragen, verlässliche Termine und eine Arbeit, die weiterempfohlen wird.
Bleiben neue Aufträge trotzdem aus, eröffne deshalb nicht sofort den nächsten Kanal. Prüfe zuerst vier Punkte: Können Interessenten dich erreichen? Antwortest du zeitnah? Zeigen Fotos und Bewertungen die Leistungen, die du gerade anbietest? Fragst du zufriedene Kunden überhaupt nach einer Empfehlung? Erst wenn diese Basis stimmt, lohnt sich die Frage nach Social Media, Print oder Anzeigen.
Mach daraus keinen neuen Marketingplan. Nimm dir morgen 30 Minuten: Teste deinen Kontaktweg selbst, beantworte die älteste offene Anfrage, ergänze ein aktuelles Projektfoto und formuliere eine kurze Bewertungsbitte für den nächsten abgeschlossenen Auftrag. Danach arbeitest du weiter mit Empfehlungen und Google-Profil, statt einen dritten Kanal zu eröffnen.
KundenStart Newsletter
Sichtbarkeit aufbauen, bevor du weitere Kanäle einplanst
Trag dich für die Sichtbarkeits-Checkliste ein und starte mit den zwei Prioritätskanälen, bevor du Zeit in weitere Kanäle investierst.
Jetzt eintragenHäufige Fragen zur Kundengewinnung im Handwerk
Reicht Mundpropaganda im Handwerk heute noch aus?
Sie bleibt der stärkste Einzelkanal, wirkt aber deutlich besser, wenn sie aktiv systematisiert wird.
Brauche ich als Handwerker eine eigene Website?
Nicht als erster Schritt. Das Google-Unternehmensprofil bringt für die meisten Solo-Betriebe schneller Wirkung.
Lohnt sich Google Ads für einen kleinen Handwerksbetrieb?
Erst, wenn die beiden Prioritätskanäle laufen und ein Budget jenseits von 10 bis 20 Euro im Monat realistisch verfügbar ist.
Wie bekomme ich mehr Bewertungen für mein Google-Profil?
Aktiv nach Projektabschluss darum bitten, am einfachsten mit einem kurzen, direkten Hinweis direkt vor Ort oder per Nachricht.
Was, wenn Empfehlungen und Google-Profil nicht reichen?
Prüfe zuerst Erreichbarkeit, Reaktionszeit, aktuelle Fotos und die aktive Empfehlungsfrage. Sind diese vier Punkte sauber, kannst du gezielt einen weiteren Kanal testen.
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